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Jedlesee

Lage

Jedlesee liegt am Südwestende des Marchfeldes. Es enstand an einem Seitenarm der Donau, der "Schwarzen Lacke" welche heute noch als Wiesenstreifen neben der Kirche erkennbar ist. Dieser Donauarm war öfter ein Grund für die Zerstörung Jedlesees durch die hochwasserführende Donau und Eisstösse. Mit der Donauregulierung wurde die "Schwarze Lacke" vom Hauptstrom abgetrennt und nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Schutt der zerbombten Wiener Häuser sowie diversesten Industrie- und Erdölabfällen bis in die 70er Jahre restlos aufgefüllt.

Kurzfassung der Dorfgeschichte

Die Ortschaft Jedlesee enstand am Landeplatz der Überfuhr vom Marchfeld nach Nußdorf, vermutlich als fränkische Neugründung nach dem Sieg Ottos über die Magyaren am Lechfeld. Bereits 1014 wird in einer Schenkungsurkunde des Bistums Passau der Ort "Uotcinessevve" erwähnt, der Jedlesee zugeschrieben wird.
Die Bewohner Jedlesees und die jeweilige Herrschaft des Ortes gewannen an Wohlstand durch die Überfuhr der Reisenden Richtung Wien und den Fischfang in der Donau. Trotz oftmaliger Verwüstung durch Hochwässer und Eisstöße sowie der jeweils durchziehenden Heerscharen auf dem Marsch nach Wien wurde der Ort immer wieder aufgebaut.
Die erste Zäsur trat durch den Bau der Donaubrücken (1439) ein, der schwere Einbußen bei der Überfuhrmaut verursachte.
Eine weitere Zäsur war die Errichtung der ständigen Reichsstrasse nach Böhmen (1730) die Jedlesee weiter ins Abseits brachte. 40 Jahre später begann die Ortschaft sich zur Reichsstrasse auszudehnen - die Herrengasse (heute Anton Bosch Gasse) entstand.
Positiv wirkte sich die Errichtung des Stockerauer Astes der Kaiser-Ferdinand-Nordbahn aus, welcher später zur Nordwestbahn wurde. Sowohl der Bahnhof der Nordwestbahn als auch die Werkstätten der Nordwestbahn lagen auf Jedleseer Boden. Fast 15 Jahre lang blieb der Weg über die Nordwestbahnbrücke nach dem zweiten Weltkrieg neben der Ostbahnbrücke die einzige Verbindung aus dem Norden nach Wien.

Zeittafel

  • 1014 Jedlesee wird vermutlich erstmals als `Outcinessewe´ erwähnt. Es ist damit wahrscheinlich einer der ältesten Orte in der Region. Es dürfte sich um eine fränkische Neugründung nach dem Sieg König Otto I. über die Ungarn auf dem Lechfeld sein.
  • 1230 Heinrich von Kuenring verwehrt Friedrich dem Streitbaren den Donauübergang.
  • 1234 schwere Hochwasserschäden
  • 1235 Böhmenkönig Wenzel I. überschreitet mit seinem Kriegsheer den Strom bei Jedlesee.
  • 1316 schweres Hochwasser
  • 1328 der Eisstoß dauert 17 Wochen
  • 1402 das Hochwasser bleibt 10 Tage lang
  • 1428 die Hussiten unter Prokop dem Großen lagern bei Jedlesee. Das gegenüber liegende Nußdorf wird beschossen und beim Abzug alle Schiffsmühlen zerstört.
  • 1434 Das Wasser steigt so hoch, daß die Bäume der Donauinseln kaum aus dem Wasser ragen
  • 1439 Errichtung von 3 Brücken über die Donauarme, ausgehend vom Schwedenplatz, zwischen Floridsdorf und Wien ("Albrecht´scher Brückenzug" nach dem "Brückenbrief" Herzog Albrechts V.), die Maut für die Brückennutzung wurde beim "Roten Turm" im Wien eingehoben). Jedlesee verliert seine Bedeutung als Überfuhr und vor allem seine Einnahmen aus der Maut.
  • 1483 um die Donaubrücken entbrennt eine Schlacht, als Matthias Corvinus mit seinen Ungarn Wien belagert. Wien fiel nach einem Jahr und wurde erst 1490 wieder habsburgisch.
  • 1491 nach 56 Jahren Ruhe wieder ein katastrophales Hochwasser, gefolgt von Hochwässern in den Jahren 1499, 1500, 1501(Jahrhunderthochwasser) sowie jährliche Überschwemmungen 1520-1527.
  • 1529 400 Türkische Kriegsschiffe kommen die Donau herauf, die Besatzungen verwüsten die Dörfer der Gegend.
  • 1502 Das Heer des Pfalzgrafen Friedrich lagert bei Jedlesee um vorbeugend einer möglichen Türkengefahr zu begegnen ("Heerschau bei Jedlesee").
  • 1570 nach zahlreichen Neubauten aufgrund der Hochwässer sind die Brücken nach Wien bis "ins Äugel" nach Jedlesee stromaufwärts gerückt. Es kommt zu Streitereien zwischen dem "Brugg-Amt" am Tabor und der Herrschaft Jedlesee um die Einnahmen.
  • 1575 die Grafen von Sinzendorf verkaufen Jedlesee an den Kaiser und das Brückenamt der Stadt Wien.
  • 1602 Jedlesee wird das Recht der "Sommer-Überfuhr" enzogen
  • 1605-1607 die Reiter des Stephan Bocsay brandschatzen den Ort
  • 1613-1615 schwere Hochwässer schädigen die Jedleseer.
  • 1619 30-jähriger Krieg, schwere Kämpfe bei der Schwedenschanze im Herbst 1619 und am 5. April 1645
  • 1627 Jedlesee wird vom Fähnrich der Wiener Stadtguardia, Andreas Gurlandt, aus dem kaiserlichen Lehensverband freigelost und wird zum freien Eigentum.
  • 1644 die Tochter Gurlandts, Susanne, erbt Jedlesee und verkauft es an Heinrich Wilhelm Graf von Starhemberg.
  • 1677 Jedlesee wird von Ferdinand Ernst Graf von Abensberg gekauft
  • 1683 Herzog Karl von Lothringen bezieht nach einer Niederlage an der Raab bei Jedlesee Lager.
  • 1688 Johann Baptista Freiherr von Pergen übernimmt die Herrschaft Jedlesee. Mehrmalige Neuanlage der Brücken nach Hochwässern, die den Lauf der Donau zwischen Wien und Flordsdorf veränderten (bis 1698).
  • 1696 Albert de Lonqueval, Graf von Bouquoy, erwirbt Jedlesee
  • 1712 Antonia Renata, Gräfin von Bouquoy, die zweite Gattin des Albert läßt eine Maria-Loretto Kapelle errichten.
  • 1713 die Herrschaft Jedlesee geht an Antonia Renata, Gräfin von Bouquoy.
  • 1730 Errichtung der Reichsstrassen nach Böhmen und Mähren, der Verlauf entspricht den heutigen Strassenzügen der Prager- und Brünnerstrasse.
  • 1771 aufgrund der Patente Maria Theresias entstehen in der Herrengasse (heute Anton Bosch Gasse mehrere Häuser.
  • 1779 Anton Freiherr von Störck läßt an die alte Lorettokapelle ein Langschiff anbauen.
  • 1782 erster Schulunterricht im Messnerhäusl
  • 1830 schweres Hochwasser, dank der Vorsorge des Brauherren Anton Bosch sind keine Menschenleben zu beklagen. Die Schäden führen jedoch zum Projekt "Donauregulierung".
  • 1870 Beginn der Donauregulierung (Fertigstellung 1874/75). Entstehung der "Überschwemmungswiese" und des "Marchfeldschutzdammes" welcher von Langenzersdorf bis zur Mündung der March in die Donau bei Engelhartstetten (Schloß Hof) reicht.
    Eröffnung der "Nordwestbahn" (hervorgegangen aus einer Zweigstrecke der Nordbahn nach Stockerau). Bis zur Errichtung der Nordwestbahnbrücke bleibt der Bahnhof Jedlesee Endstation.
  • 1874 die Gemeinde kauft vom Stift Klosterneuburg Grund in der Schwarzlackenau zur Errichtung eines neuen Friedhofes, nachdem der alte zwischen Jeneweingasse und Wiener Gasse zu klein geworden war.
  • 1894 Floridsdorf, Jedlesee, Neu Jedlersdorf und Donaufeld werden am 8.Mai zur Großgemeinde Floridsdorf zusammengeschlossen (Beschluss des NÖ Landtages vom 20.2.1894, kaiserliche Sanktion am 8.5.1894).
  • 1904 Die Großgemeinde Floridsdorf wird gemeinsam mit den Gemeinden am 28.Dezember als 21. Bezirk an Wien angegliedert.
  • 1912 Errichtung der Strassenbahnlinie über die Pragerstrasse bis Jedlesee (ab 19.1., bereits elektrifiziert errichtet).
  • 1914 Auf Jedleseer Grund wird die Marineunteroffiziersschule der k.u.k. Kriegsmarine in einem Barackenlager errichtet.
  • 1923 Die Jedleseer Strassenbahnlinie fährt ab 29.9. bis Strebersdorf.
  • 1927 Die Wiener Berufsfeuerwehr errichtet in der "Kretzgasse" (heute Weisselgasse) die Hauptfeuerwache, damit werden schrittweise die Freiwilligen Feuerwehren im Bezirk abgelöst.
  • 1934 Der schwerbewaffnete "Republikanische Schutzbund" der Sozialisten verschanzt sich im Februar in Floridsdorfer Gemeindebauten (unter anderem im "Karl Seitz Hof") und muß unter schweren Verlusten von Exekutivkräften entwaffnet werden.
  • 1945 Floridsdorf wird am 15.4. von der russischen Armee befreit, nachdem es mehrere Wochen Kampflinie war.
  • 1959 Die Schnellbahn auf der Strecke der Nordwest- und Nordbahn wird eröffnet, der "Schnellbahnhof" als neuer Verkehrsknoten des öffentlichen Verkehrs entsteht, die Strassenbahnlinien werden von der Hauptstrasse wegverlegt.
  • 1964 Am 19. 12.wird anstelle der Nordwestbahnbrücke die Nordbrücke eröffnet.
  • 1996 Im April wird die U6 Strecke bis Floridsdorf eröffnet (Baubeginn 1991). Jedlesee verliert seinen direkten Anschluß an "die Stadt"(Innere Stadt, Wien 1.,)
© Floridsdorf.NET Mittwoch , 29. März 2017